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Den Genossen macht Bahnfahren in Vorarlberg weit mehr Spaß als im Bodenseekreis
| Christine Heimpel
SPD auf Erkundungsfahrt in Vorarlberg (von links): Bernd Caesar, Norbert Zeller, Christine Heimpel, Dieter Stauber, Ingrid Sauter und Roland Kaczmarek am Bahnhof Bregenz. Bild: SPD Bodenseekreis | Bild: SPD Bodenseekreis
 

 

Die SPD-Fraktionen im Kreistag und im Friedrichshafener Gemeinderat machen weiter Druck, damit die „miserablen Zustände“ auf der Bodenseegürtelbahn abgestellt werden. In einer Pressemitteilung informiert der SPD-Fraktionschef im Kreistag, Norbert Zeller, über ein Antwortschreiben aus dem Landesverkehrsministerium. Darin nimmt Ministerialdirektor Uwe Lahl Stellung zu den geschilderten Mängeln, die die SPD im Januar bei einer Testfahrt festgestellt hatte und die laut Lahl „zutreffend“ seien.

Er habe unumwunden eingeräumt, dass es zwischen Friedrichshafen und Radolfzell „in den letzten Wochen und Monaten aufgrund des hohen Schadstandes“ leider häufig zur Situation kam, „dass die Züge nur aus einem statt planmäßig zwei Triebwagen gebildet wurden“. Die RAB als Dienstleister auf der Strecke hätten ein Ersatzkonzept entwickelt und hofften nunmehr, dass ab Ende April wieder ein planmäßiger Einsatz der Triebwagen möglich sei. Zudem setze die DB Regio morgens zwischen Markdorf und Friedrichshafen mittlerweile Busse in beide Richtungen als Ergänzung ein. An eine Neuvergabe der Verkehrsleistungen auf der Bodenseegürtelbahn sei im Moment aber nicht gedacht, so Lahl. Allerdings sehe der Vertrag empfindliche Strafen für die DB Regio vor.

Für die SPD sei das Thema Neuvergabe damit nicht vom Tisch, so Zeller. „Schließlich zeigen die Österreicher mit ihrer ÖBB und die Schweizer mit ihrer SBB, wie Bahnverkehr kundenfreundlich betrieben wird.“ Mitte März war eine Abordnung der Genossen aus dem Bodenseekreis im Nachbarland, um das viel gelobte „Vorarlberger Modell“ zu erkunden. Neben einer S-Bahn hat der Verkehrsverbund (VVV) einen integralen Taktverkehr im ganzen Land eingerichtet und ein Jahresticket für 365 Euro, das 42 Prozent aller Haushalte in Vorarlberg besitzen. Die Fahrgastzahlen seien daraufhin sprunghaft angestiegen.

Laut SPD-Mitteilung sei das Vorarlberger Modell auch deswegen so erfolgreich, weil der Verkehrsverbund einheitlich landesweit alle Angebote des öffentlichen Nahverkehrs erfasst. Rad- und Fußgängerverkehr, Bahn und Busse, Carsharing sowie E-Mobilität werden integriert betrachtet, geplant und realisiert. Es gebe einen integralen Taktfahrplan, der die gesamte Wegekette eines Fahrgastes von der Haustür bis ans Ziel beachtet – und das landesweit. Auch die Qualität der Fahrzeuge und Bahnhöfe werde gemeinsam mit den Gemeinden geplant. All das schaffe im Nachbarland eine einladende Atmosphäre für die Nutzer des öffentlichen Verkehrs. „Man muss es nur wollen“, so Zeller abschließend.