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| Luca Baumann

Die Schwäbische Zeitung berichtete am 19.09.2018 über unseren Salon Rouge „Neues Leben in Friedrichshafen – Innenstadt und Uferpormenade“, der wie immer am dritten Dienstag des Monats im Cafe Gessler stattfand.

Schwäbische Zeitung, 19.09.2018, Brigitte Geiselhart 

Leben wir wirklich in „Friedhofshafen“?

Emotional aber sachlich wurde im „Salon Rouge“ zum Thema Einzelhandel und Altstadtstruktur diskutiert. Der SPD Ortsverein
hatte ins Café Gessler eingeladen. (Foto: Brigitte Geiselhart)

Leben wir wirklich in „Friedhofshafen“, wie es ein recht bekanntes Youtube-Video glauben machen will? Dass es in jedem Fall reichlich Kritik in Bezug auf die Situation des Einzelhandels und die oftmals beklagte fehlende Altstadtstruktur gibt, das zeigte sich bei der jüngsten Auflage des „Salon Rouge“, zu dem der SPD Ortsverein ins Café Gessler eingeladen hatte.

Diskutiert wurde sachlich, aber auch mit Emotion und Leidenschaft. Aber gerade diese Leidenschaft und der Wille, „dicke Bretter zu bohren“ werden vielfach vermisst bei Stadt und Stadtmarketing – so der Grundtenor zahlreicher Wortmeldungen. Und das Fehlen eines „Kümmerers“, wie der SPD Ortsvorsitzende Werner Nuber zusammenfassend feststellte.

Gut vorbereitet zeigte sich zum Beispiel die Häflerin Alissa Lipp. Sie hatte ihre Meinung unter der Gesamtüberschrift „Neues Leben in Friedrichshafen“ bereits auf zwölf detailliert ausgearbeiteten Seiten zu Papier gebracht. Etwa zum Thema „Eisbahn“: „Was hat ein Einzelhändler in der Altstadt von der Eisbahn während der Bodensee-Weihnacht?“, fragt sie. „Der riesige Rathausplatz scheint mir ideal für eine Eisbahn um den Brunnen herum“, regt sie an. Damit könnte man ihrer Ansicht nach die Freude am Eislaufen mit einem eher „zufälligen“ Einkaufsbummel verbinden.

Unter anderem könnte sie sich im als „Frühlingserwachen“ im März einen Catwalk vom Hafenbahnhof bis zum K42 vorstellen, auf dem die ansässigen Einzelhändler die Gelegenheit hätten, in einem Zeitraum von zwei Wochen regelmäßig die neueste Mode zu präsentieren.

„Die Stadt ist zu brav. Es fehlt an Intensität und Kreativität“, bemängelt Walter Schmid. „Die Schönheit der Innenstadt beschränkt sich auf ein paar Töpfe, die rumstehen und begrünt sind“, sagt er. „Jeder wartet darauf, dass der andere endlich was tut.“ Luca Baumann, Mitorganisator des „Salon Rouge“ verlas anschließend die Ergebnisse einer anonymen Stellungnahme von Einzelhändlern vor. Demnach werden in der Friedrichsstraße eine Linksabbiegespur von östlicher Richtung ins Altstadtparkhaus gewünscht, mehr Veranstaltungen auf dem Adenauerplatz. Statt weiterer „Billigläden“ erhofft man sich einen Einzelhandelsmagneten – und dass aus dem alten Zollhaus eventuell eine Einkaufspassage werden könnte.

Bemängelt wird vor allem das Fehlen eines „klaren Konzepts und einer strategischen Ausrichtung“ für die Häfler Innenstadt. Die Stadt sei im Grunde nicht am Handel interessiert, sondern lege ihren Fokus vor allem auf die Industrie, so ein weiterer Kritikpunkt aus den Reihen der Einzelhändler.

„Friedrichshafen ist abends müde“

„In Ravensburg gibt’s eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsforum, Stadtmarketing, Einzelhändlern und der Stadt“, betont Martin Riethmüller vom Marketing der Buchhandlung Ravensbuch. Davon sei man im Hafen noch weit entfernt. Auch beim Erscheinungsbild der Innenstadt gibt es seiner Ansicht nach einiges zu bemängeln. „Es gibt nicht einmal eine Postfiliale in der Innenstadt. Und die gelben Säcke liegen oft drei Tage vor Abholung bereits auf der Straße rum. In Ravensburg gäbe das großen Ärger“, sagt er. Dass Friedrichshafen an „Qualität verloren“ hat, befindet Sieglinde Ege als Vorsitzende des Stadtforums – insbesondere mit Blick auf den „Branchenmix“ im Einzelhandel. „Wir brauchen dringend einen Masterplan“, fordert sie.

„Aus meiner Sicht bemüht sich die Stadt in erster Linie um Touristen und versucht, als Seniorenresidenz gut dazustehen“, sagt der 30-jährige Ralf Dietlicher. In seiner Altersgruppe sei man fast gezwungen, nach Ravensburg auszuweichen. „Friedrichshafen ist abends müde, Ravensburg nicht“, setzt Gudrun Stephan noch eins drauf. „Die Stadt hat Potential. Aber es fehlt an Leidenschaft, an Feuer und an Begeisterung“, konstatiert Sieglinde Ege.