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Schwäbische Zeitung vom 27.06.16 über unser Sommerfest
| FrankHeiLab

SZ-Online /Lokales Siegfried Grosskopf

Wolfgang Stuckenbrock ist seit 60 Jahren Mitglied in der Partei

Stucki auf Ehrung Sommerfest
Applaus für einen gerührten Wolfgang Stuckenbrock (Zweiter von rechts) für seine 60-jährige Mitgliedschaft in der SPD. Rechts seine Frau Jutta Koch, links Ortsvereinsvorsitzender Roland Kaczmarek, daneben Kreisvorsitzender Dieter Stauber. sig

 

Friedrichshafen sz
Die Sozialdemokraten im Bodenseekreis haben bei ihrem Sommerfest am Samstag in Seemoos Wolfgang Stuckenbrock für 60-jährige Parteimitgliedschaft gefeiert. Damit ist er das langjährigste Mitglied im Ortsverein Friedrichshafen. Gerhard Raichle sagte in seiner Laudatio im vollbesetzten Vereinsheim der VfB-Kanuabteilung: „Wir brauchen mehr denn je Leute wie ihn“. Ortsvorsitzender Roland Kazcmarek heftete dem früheren Stadt- und Kreisrat die Goldene Ehrennadel der Partei ans Revers. „Stucki“ wünschte sich in seiner Dankesrede von der Bundespartei, sie möge darauf verzichten, mitregieren zu wollen, und stattdessen wieder zu einem eigenen Profilbild zu finden.

Auch wenn das Wetter zu wünschen übrig ließ, die Genossen zeigten wenige Stunden vor der Fußballübertragung Flagge. Kreisvorsitzender Dieter Stauber dankte für die Unterstützung im Landtagswahlkampf, die im Gegensatz zum Ergebnis Klasse gewesen sei. Anders als bei der Kanu-Abteilung, scherzte Stauber, habe man bei der SPD „die Warteliste abgebaut“. Gleichwohl gibt es Mitgliederzugänge, wie Ortsvorsitzender Kazcmarek vermeldete. Stauber ist zuversichtlich, dass die Partei nach einem Erneuerungsprozess wieder dorthin kommen wird wo sie hingehört.

Gerhard Raichle würdigte in einer Laudatio die großartige und nicht allein politische Arbeit von „Stucki“, wie man ihn in der Partei nennt. Infiziert von seinem Vater Alex, der Gewerkschafter, ebenfalls aktiver Sozialdemokrat an vorderster Front war und 1947 die Falken“ mitbegründete. Raichle schilderte den eher „praktizierenden“ Wolfgang, der nach einer Bauschlosser-Lehre und Tätigkeit bei der ZF, noch im Architekturstudium durch „sanftes Schubsen“ von Fritz Fehrenbach zunächst ins Wahlkampfteam gelockt worden war und 1956 SPD-Mitglied wurde. Mit 33 Jahren wurde Stuckenbrock jüngster Gemeinderat in Friedrichshafen. Als selbständiger Architekt und „Sozi“ mit Aufträgen vor Ort nicht verwöhnt.Nach dem Tod Fritz Fehrenbachs wurde Stuckenbrock 1968 Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat. Mitglied im Kreistag war er ebenfalls. Einige Jahre auch Vorsitzender des Ortsvereins erwarb sich Stuckenbrock zusätzlich die Achtung vieler Bürger, als er 1977 im OB-Wahlkampf kandidierte. Er holte 29,9 Prozent der Stimmen.

Die Jusos machten ihm das Leben schwer, was später Heinz Tautkus eingestand. Wolfgang Stuckenbrock begegnete ihnen mit einer „lächelnden Benutzeroberfläche“, hat Gerhard Raichle recherchiert, mit Nachsicht und Natürlichkeit, Geduld und seinem unvergleichlichen Charme. Als „durch und durch Sozialdemokrat“, half er, wo Not herrschte. So stellte er 1982 seine Wohnung für den Verein „Frauen helfen Frauen“ zur Verfügung, die so zum ersten Frauenhaus im Bodenseekreis wurde. Er drängte auf ein Haus für die Jugend und verknüpfte seinen Einsatz für den heutigen GZH-Standort mit einer Rücktrittsdrohung. Die vielen Verdienste Wolfgang Stuckenbrocks wurden mit Auszeichnungen bis hin zum Bundesverdienstkreuz gewürdigt.

In seiner Dankesrede streifte der Geehrte vor allem die Jahrzehnte in der Kommunalpolitik und das Schaffen von Kindergärten mit Unterstützung von Pfarrer Gailing, oder eines Jugendhauses mit Unterstützung von Max Martin. Den einstigen Unannehmlichkeiten mit den Jusos sei er dadurch aus dem Weg gegangen, dass er Jutta Koch geheiratet habe, bemerkte er schmunzelnd.

Peter Simon, Europa-Abgeordneter aus Mannheim, warnte vor vermeintlich einfachen und reflexartigen Antworten auf den Ausstieg der Briten aus der EU. Die SPD forderte er auf, mit den Menschen über deren Sorgen zu diskutieren. „Es ist Zeit, wieder zu einem Europa der Solidarität zu kommen“, sagte er. Die Flüchtlingskrise habe begonnen, als der einstige französische Präsident Sarkozy „Muffensausen“ hatte, eine Wahl zu verlieren – und Bomber nach Libyen schickte.