Zum Inhalt springen
Südkurier vom 29.06. zur Veranstaltung: Quo Vadis ÖPNV
| FrankHeiLab

Südkurier vom 29.06.2015, Gisela Keller, Titelbild ebenfalls Gisela Keller

Kostenlose Tickets für die Silberpfeile – zu einer Anfrage von SPD-Fraktionschef Dieter Stauber hierzu gab es von der Stadt eine klare Absage. Ein erwarteter Anstieg des Defizits von etwa zwei auf um die sechs Millionen Euro, Unvereinbarkeit mit dem Tarifverbund sowie die fehlende rechtliche Grundlage für eine Nahverkehrsabgabe sind die wichtigsten Gegenargumente.

Auf die Silberpfeile ist Friedrichshafen stolz. Dafür, dass man gute Nahverkehrsangebote noch besser machen kann, gibt es Beispiele in den Nachbarländern. Bild: Gisela Keller
Auf die Silberpfeile ist Friedrichshafen stolz. Dafür, dass man gute Nahverkehrsangebote noch besser machen kann, gibt es Beispiele in den Nachbarländern. Bild: Gisela Keller

Sollte die Stadt trotzdem, auch angesichts wachsender Bevölkerungszahlen, vieler Pendler, Stau und Parkplatznot beim ÖPNV neue Wege einschlagen? Die lokale SPD lud zur öffentlichen Diskussion mit dem bundesweit und in Nachbarländern tätigen Verkehrsplaner Heiner Monheim und mit Manfred Foss, Geschäftsführer von Stadtverkehr, Bodensee-Oberschwaben-Bahn und Katamaran ins GZH ein.

Manfred Foss legte beeindruckende Zahlen zur positiven Entwicklung des ÖPNV in der Stadt vor. Sie zeigten: Friedrichshafen bietet im Vergleich mit anderen deutschen Städten mit seinen modernen Bussen, der Geißbockbahn und der Städteverbindung per Katamaran ein sehr vielseitiges und erfolgreiches Nahverkehrssystem. Vor allem mit der Geißbockbahn leistete die Stadt sogar sehr erfolgreich Pionierarbeit. Dass das nicht bedeutet, dass alles so ist, wie es sein sollte, wurde allerdings nicht nur im Vortrag von Monheim deutlich. Die örtliche SPD hatte vorab in der Fußgängerzone eine nicht repräsentative Umfrage durchgeführt. Frank Labitzke zog Bilanz: „Der Grund dafür, dass Bus und Bahn von vielen nicht genutzt wird, ist nicht der Preis. Es geht darum, dass die nächste Haltestelle zu weit weg ist, das Umsteigen zu umständlich, die Taktfrequenz ungünstig oder dass man spät abends nicht nach Hause fahren kann.“

Das Hauptproblem bei der Lösung dieser Probleme – darin stimmten Foss und Monheim überein – bilden die begrenzten finanziellen Mittel. In Deutschland werde der ÖPNV von den Kommunen finanziert, in Österreich und der Schweiz sehe man den ÖPNV als volkswirtschaftliche Aufgabe, erklärte Monheim am Beispiel Vorarlberg. Dort gibt es seit Anfang 2014 ein 365 Euro Ticket. Für 1 Euro pro Tag kann das Bus- und Bahnnetz im ganzen Bundesland genutzt werden. Zusammen mit einem flächendeckenden Netz von Landbussen als Ergänzung zu den Stadtverkehren, sorgt das Ticket dafür, dass sehr viele Vorarlberger und Touristen ihr Auto stehen lassen. „Die Schweiz“, nennt Monheim ein weiteres Beispiel, „hat einen nationalen Verbund aller öffentlichen Verkehrsmittel – bruchlos durchgängige Systeme ohne Taktbrüche“.

Die Frage „Wer soll das bezahlen?“ werde in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit dem ÖPNV gestellt, sagte Monheim und stellte die Gegenfrage: „Wer bezahlt eigentlich unsere Straßen?“ Der Autoverkehr werde mit enormen Summen subventioniert, das sei widersinnig, kritisierte Monheim. Beim ÖPNV hingegen werde jeder Cent dreimal umgedreht. Der Bund und die Länder seien gefordert, die Voraussetzungen für einen umlagefinanzierten attraktiven ÖPNV zu schaffen. Als gutes Beispiel nannte er Mulhouse in Frankreich. Dort habe auch die Wirtschaft verstanden, dass man nur mit einem guten ÖPNV aus dem Stau herauskomme und finanziere mit.