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Artikel im Südkurier vom 27.01.2017
| FrankHeiLab

Südkurier, 27.01.2017                       Andreas Ambrosius 

Erstmals sind am Donnerstagabend die beiden bisherigen Kandidaten der Wahl zum Oberbürgermeister gemeinsam aufgetreten: Auf Einladung der Häfler SPD präsentierten Amtsinhaber Andreas Brand und Herausforderer Philipp Fuhrmann sich und ihre Ideen. 150 Besucher fanden sich im Gasthof Heuschober in Allmannsweiler ein. Als ein zentrales Thema bei den Vorträgen und in der Fragerunde schälten sich die Themen Wohnen und Baukultur heraus.

Philipp Fuhrmann und Andreas Brand mit SPD Vorstand Werner Nuber
Philipp Fuhrmann (links) und Oberbürgermeister Andreas Brand (rechts) stellten sich und ihr Programm für Friedrichshafen am Donnerstagabend auf Einladung der SPD im „Heuschober“ vor; Werner Nuber (Mitte) moderierte. Bilder: Andreas Ambrosius | Bild: Ambrosius, Andreas

Proppenvoll war am Donnerstagabend der Gasthof Heuschober. 150 Häfler wollten erleben, welche Ideen zur Stadtentwicklung Oberbürgermeister Andreas Brand sowie sein Herausforderer Philipp Fuhrmann für die nächsten acht Jahre in Aussicht stellen. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten im aktuellen OB-Wahlkampf – der eine möchte Stadtoberhaupt bleiben, der andere will es werden.

Zunächst hatten Amtsinhaber und Herausforderer jeweils 15 Minuten Zeit, sich und ihr Programm vorzustellen. Warum dazu der jeweils andere in den Nebenraum gehen musste, erschloss sich nicht allen Besuchern. Oberbürgermeister Andreas Brand hob auf die gute Bürgergemeinschaft ab und auf das bislang Erreichte: B-31-Ausbau, Südbahn-Elektrifizierung, Ausbau Stadtverkehr. Er präsentierte sich als Finanzfachmann, der gut wirtschaften kann. Das Geld sei segensreich investiert in Hallen, Bäder, Schul- und Kindergartenausbau. Trennendes wie einst das Eicherbad sei überwunden, Bürgerbeteiligung laufe anders und besser als vor seiner Zeit, so der OB. Der Fallenbrunnen soll weiter zum großen Bildungsstandort ausgebaut werden, der Wohnungsbau in der Stadt forciert werden. Bis 2019 sollen 1500 neue Wohneinheiten entstehen, auch für sozial Schwache.

Philipp Fuhrmann hingegen bezeichnet die Wohnbaupolitik in der Stadt als „unsozial“, es werde zu wenig günstiger Wohnraum geschaffen. „Erhaltung des Altbestands geht vor Neubau“, so sein Credo. Dabei sei er in Sachen ehemaliges Hotel Schöllhorn und bei der alten Stadtkasse in der Friedrichstraße auf taube Ohren gestoßen. Nun würden dort „großformatige Kisten“ entstehen. Der avisierte Gestaltungsbeirat komme zu spät. Das kreative Potenzial in der Stadt werde nicht genügend gefördert. Friedrichshafen brauche „einen Wettkampf der besten Ideen“, so Fuhrmann, nicht nur beim Bauen, sondern auch im kulturellen Bereich.

Der kurze Vortrag von SPD-Fraktionschef und Kreisrat Dieter Stauber geriet zu einer Art Grundsatzrede und Leistungsbilanz der Häfler SPD in den vergangenen acht Jahren mit Fokus auf sozialen Wohnungsbau, Förderung von sozialen und bürgerschaftlichen Initiativen, Ausbau des ÖPNV und mehr Kreisverkehren. Danach hatten die Zuhörer das Wort. Da ging es beispielsweise um die Frage der Kulturförderung. Andreas Brand stellt in Aussicht, dass ehrenamtlich Tätige im Kulturhaus Caserne von Hauptamtlichen unterstützt werden. Fuhrmann, selbst Betreiber zweier Orchesterschulen, will weniger Hochkultur, dafür mehr Subkultur fördern: „Lieber 100 000 Euro weniger fürs Kulturbüro.“ Einig sind sich alle Akteure in Sachen Bodenseegürtelbahn: Die Schienenverbindung in Richtung Überlingen/Radolfzell gehöre ausgebaut und elektrifiziert.

Die Kandidaten
Andreas Brand, 52, ist seit April 2009 Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen. Zuvor war er Erster Bürgermeister in Böblingen. Er ist parteilos, kann aber auf die Unterstützung der Häfler Freien Wähler, CDU sowie FDP bauen.
Philipp Fuhrmann, 48, ist Musikpädagoge. 2014 kehrte er nach Jahren in Weimar, Frankfurt/Oder und Berlin in seine Heimatstadt Friedrichshafen zurück. Er ist Sprecher des ihn unterstützenden „Netzwerks für Friedrichshafen“, dem etwa 20 Bürger angehören. (asa)